Außerordentliche Generalkonferenz

Wie geht es weiter?

Ende Februar hat in den USA die außerordentliche Generalkonferenz (das höchste Gremium unserer Kirche) getagt. Sie hat sich mit dem Verständnis der  Evangelisch - methodis-tischen Kirche zu Fragen um den Umgang mit Homosexualität befasst.

Der Bischofrat hatte den „One Church Plan“ empfohlen. Dieser hätte es ermöglicht, eine Kirche zu bleiben, hätte Spaltungen vermieden und strittige Fragen in die Verantwortung der Zentralkonferenzen (bei uns: Deutschland) übergeben. Die Generalkonferenz hat sich mit knapper Mehrheit für den „Traditional Plan“ entschieden und einige Verschärfungen beschlossen. Danach bleibt die bestehende Ordnung erhalten. Segnung gleichgeschlechtlicher Paare oder Ordination Homosexueller bleiben nicht zulässig.

Die Beschlüsse der Generalkonferenz wurden an den Rechtshof verwiesen. Es muss geprüft werden, ob die Beschlüsse mit der Verfassung vereinbar sind.

Alle Zentralkonferenzen sind um eine Stellungnahme gebeten. In der ersten Märzwoche haben das Kabinett der Zentralkonferenz (alle Superintendent*innen und der Bischof) und der Kirchenvorstand getagt. Der Kirchenvorstand kommt einstimmig zu dem Ergebnis, dass die Beschlüsse der Generalkonferenz für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind.

Es gibt eine Videobotschaft von Bischof Harald Rückert, in der auch Mitglieder des Kirchenvorstands zu Wort kommen. Sie wurde in der Gemeinde gezeigt.

Weiter gibt es eine Botschaft des Kirchenvorstands an alle Gemeinden. Sie wird hier im Gemeindebrief gedruckt.

Beides können Sie auch auf der Homepage „emk.de“ finden.

Ich hoffe auf offene, ehrliche, respektvolle und vertrauensvolle Gespräche in Kirche und Gemeinde.

Andreas Fellenberg

 

Link zu den Videobotschaften:

 

Botschaft des Kirchenvorstands an die Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland

Gleichwie ich über sie gewacht habe, auszureißen und einzureißen, so will ich über sie wachen, zu bauen und zu pflanzen, spricht der Herr.

Jeremia 31,28, Tageslosung für Samstag, 9.3.2019

Die Generalkonferenz hat auf ihrer außerordentlichen Sitzung in St. Louis den Traditional Plan beschlossen.

Dieser hält an den bisherigen Bestimmungen der Kirchenordnung zur Homosexualität fest und fordert darüber hinaus konsequente Anwendung und verschärft Kontrolle und Strafen. In dieser Beschlussfassung der Generalkonferenz wird ausdrücklich eine Stellungnahme der Konferenzen verlangt. Aus diesem Grund haben wir uns als Kirchenvorstand intensiv mit dem Generalkonferenz-Beschluss und der geforderten Umsetzung beschäftigt.

Wir achten demokratisch getroffene Entscheidungen und haben daher in ZK-Kabinett und Kirchenvorstand mehrere Tage lang intensiv, emotional und ehrlich mit diesem Beschluss und allen seinen Folgen gerungen. Unabhängig von unseren inhaltlichen Überzeugungen sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Bestimmungen des Traditional Plan für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind. Die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland geht den damit eingeschlagenen Weg von Gesinnungskontrolle und verschärften Strafen nicht mit. Bei unseren inhaltlichen Gesprächen haben wir schmerzhaft festgestellt, dass wir in der Bewertung von Homosexualität weder im Kirchenvorstand noch in der Gesamtkirche einig sind. Es gibt in unserer Kirche große Gruppen entgegengesetzter Meinungen zu dieser Frage. Wir vermuten, dass das auch auf absehbare Zeit so bleiben wird. Trotzdem wollen wir als Kirche zusammenbleiben, in der Menschen unterschiedlicher Auffassungen miteinander leben können. Wir wollen einander nicht loslassen und uns nicht voneinander trennen, sondern einander festhalten und füreinander einstehen.

Denn wir sind überzeugt, dass Jesus uns und unsere Gaben gemeinsam gebrauchen will. Wir können als Kirche aber nur zusammenbleiben, wenn es uns gelingt, auch ohne Einigkeit in wichtigen Fragen, in Nähe und Anerkennung zu leben. Deshalb wollen wir eine Kirche werden, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschließung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können. In diesem Ziel sind wir uns als Kirchenvorstand einig.

Wir sehen bei vielen Menschen in unserer Kirche Enttäuschungen, Schmerzen und Verletzungen. Wir sind uns bewusst, dass das Bemühen um Gemeinschaft uns allen auch in Zukunft viel abverlangen wird. Auf diesem Weg ist auch im Blick, unsere Kirche so umzugestalten, dass Menschen unterschiedlicher Überzeugungen Geborgenheit und Heimat in ihr finden können. (Könnte es z.B. Gemeinden und überregionale Strukturen für Menschen bestimmter theologischer Überzeugungen geben?) Dabei übernehmen wir alle Verantwortung füreinander und bemühen uns, „Gefäße“ zu finden, in denen die jeweils anderen zu Hause sein können. Deshalb bitten wir euch, in unserer Kirche zu bleiben und zusammen mit uns diesen Weg zu suchen.

Es ist wichtig, dass wir auf verschiedenen Ebenen ins Gespräch darüber kommen, wie wir trotz unterschiedlicher Überzeugungen beieinander bleiben können. In diesen Gesprächen geht es nicht darum, die anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen. Vielmehr geht es darum, Wege zu finden, damit möglichst viele Menschen in unserer Kirche Heimat haben können. Deshalb wird deutschlandweit ein Gesprächsprozess an einem „Runden Tisch“ stattfinden, der noch vor den Jährlichen Konferenzen 2019 beginnen soll. Dazu werden Menschen verschiedener Gruppierungen und Richtungen aus unserer Kirche eingeladen, um den oben beschriebenen Weg in eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Es ist wichtig, solche Gespräche auch in Gemeinden und Regionen zu führen.

Der Kirchenvorstand hat den Bischof gebeten, diesen Prozess geistlich zu leiten und zu organisieren. Darum hat der Bischof bereits eine Gruppe berufen, die umgehend den Prozess beschreibt und initiiert. Die Zentralkonferenz im November 2020 wird richtungsweisende Beschlüsse fassen.

Wir wissen nicht genau, wie dieser Weg im Einzelnen aussehen wird. Unsere Erfahrung im Kirchenvorstand lässt uns hoffen, dass dieser Prozess gelingen kann. Das wäre auch ein Zeichen in einer zunehmend zerrissenen und gespaltenen Gesellschaft. Für diesen Weg brauchen wir Gottes Hilfe, euer Gebet und eure Mitarbeit.

Fulda, am 9. März 2019

Für den Kirchenvorstand: Bischof Harald Rückert

Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche
Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche Bildautor und Copyright: Volker Kiemle, © EmK-Öffentlichkeitsarbeit

 

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