Angedacht - Juni/Juli

Liebe Geschwister, liebe Leserin, lieber Leser,
und wieder entsteht ein Gemeindebrief. Einen Teil Normalität versuchen wir zu erhalten, wenn wir auch keine Termine veröffentlichen. Und für diese Andacht stehe ich vor der Frage, welchen Vers ich als Grundlage nehme – den Monatsspruch aus dem Juni oder aus dem Juli. Schön wäre der für Juni ja auch gewesen. Aber der Monatsspruch für Juli! Er stammt aus dem 1. Buch der Könige, im 19. Kapitel, der Eliageschichte. Und gerade habe ich am vergangenen Sonntag über Elia und andere Geschichten gepredigt, in denen 40 Tage eine Rolle spielen! So fiel die Wahl dann auf Elia. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir, heißt es im 7. Vers. Erstaunlich! Vor deutlich über einem Jahr wurden diese Verse ausgewählt! – Jeweils aus den laufenden Leseabschnitten der Ökumenischen Bibellese – ab 11. Juni wird das 1. Buch der Könige dran sein.

Elia hatte einen schweren Kampf hinter sich. Um die Größe Gottes zu zeigen, hatte er sich auf einen Wettkampf eingelassen. Er hatte in diesem Wettkampf gezeigt, dass nicht der Gott Baal ein Gott ist, der herunterkommt, um für die Menschen einzustehen, sondern der Gott Adonai, der Herr. So eine Auseinandersetzung mit Mächten, Meinungen, Gegenargumenten, störenden Kräften zehrt an den eigenen Kräften. Und dann kam noch die Bedrohung durch die Königin Isebel dazu. Zu ihrem
Leben gehörten die Baalspriester. Und als sie von der Niederlage und Tötung der Priester hörte, bedrohte sie Elias Leben. Das war zu viel! Er konnte und wollte nicht mehr! Er verkroch sich unter einen Ginster, um dort zu sterben. „Lasst mich doch alle in Ruhe!“

Vielleicht geht uns dieser Satz zurzeit auch manchmal durch den Kopf. Angestrengt durch besondere Herausforderungen unserer Zeit, sei es die Doppelbelastung durch zu Hause zu beschulende Kinder, sei es die Sorge um Angehörige in einer Pflegeeinrichtung oder im Krankenhaus, sei es die Sorge um Ansteckung beim Einkaufen. Angestrengt durch eine besondere Anforderung würden wir vielleicht auch gerne sagen „Lasst mich doch alle in Ruhe!“
Elia erlebt in dieser Situation, dass Gott ihn nicht loslässt – im positiven Sinne, dass er ihn versorgt mit Lebensmitteln und einem Engel, der diese bringt -, aber auch im fordernden Sinne: „Ich habe noch Einiges mit dir vor!“

Das wird für Elia ein schweres Ringen gewesen sein, ob er sich durch den Engel, das Essen, Gottes Aufforderung aus dieser schweren Niedergeschlagenheit herausrufen lassen will. Es wird ihm nicht leichtgefallen sein, die Versorgung anzunehmen, um dann wieder zu Kräften zu kommen. Nicht nur einmal schickt Gott den Engel, sondern eben auch ein zweites Mal. Ich nehme an, dass Gott in diesem Handeln Elia Zeit gab, sich zu sammeln. Er musste nicht sofort wieder paratstehen. Er musste nicht sofort einfach weitermachen. Er wusste zwar um Gottes Aufruf. Aber Gott gab ihm die Zeit, neue Kräfte zu sammeln.

Diese Zeit dürfen wir uns auch nehmen. Ehe es zum absoluten Burnout kommt, der womöglich bedeutet, über Jahre nicht wieder einsatzfähig zu sein, ist es immer wieder gut, Anzeichen eines Kräfteverlusts zu merken und sich genau die Auszeit zu nehmen, die sich Elia nahm. Einen Moment innehalten, um neue Kräfte von Gott geschenkt zu bekommen, diese Zeit zu nutzen zum Rückblick und zum Finden neuer Vision, das ist oft die beste Entscheidung, die wir treffen
können.


Und dann, aber auch erst dann, wenn wir durch Gottes Zuspruch und Versorgung neu gestärkt sind, merken wir, wie viele Schritte wir durch diese Stärkung gehen können. 40 Tage und 40 Nächte waren es bei Elia – genauso lange wie Gott es bei der Sintflut hat regnen lassen – ein Zeichen für einen absoluten Neuanfang. Das Alte hinter sich lassen, auf das Neue zugehen. In der Wüste Erfahrungen machen mit unserem Gott, der uns versorgt, auf die liebenden Arme nimmt, seine Liebe in kleinen und großen Details zeigt.

Für Elia stand am Ende der Reise die ganz besondere Gottesbegegnung. Nach einer Nacht in einer Höhle hört Elia Gott sprechen. Gott gibt Elia noch einmal Gelegenheit, das hinter ihm liegende Geschehen zu erzählen. Gott widerspricht ihm auch nicht, selbst, wenn er in seiner Klage völlig übertreibt. Denn es gibt noch andere überlebende Priester. Gott lässt es einfach stehen und lädt Elia ein, ihm, dem lebendigen Gott, zu begegnen. Aber Gott Adonai kommt nicht im Wind, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer. Im stillen, sanften Sausen kann Elia Gottes Stimme vernehmen. Er verhüllt sein Gesicht mit einem Mantel und tritt Gott entgegen. Nachdem Gott noch einmal seine Klage angehört hat, gibt er ihm diesen neuen Auftrag, in Damaskus einen neuen König über Aram zu salben, außerdem einen neuen König für Israel, und dann auch noch seinen Nachfolger. Und diese werden den Kampf gegen den Baalskult zuende führen. Elia darf also genau an dieser Stelle wissen, dass Gott dafür sorgen wird, dass die Aufgabe zuende geführt wird. Elia darf erkennen, dass seine Aufgabe mit der Salbung dieser drei Männer endet. Gott anerkennt, dass Elia seinen Teil erfüllt hat und nun andere ihm nachfolgen werden.
Auch das kann für uns eine Erleichterung sein: Wir haben Aufgaben zu erfüllen, wir dürfen innehalten und neue Kräfte schöpfen. Aber es gibt auch Aufgaben, die wir gar nicht bis zum bitteren Ende erfüllen müssen, sondern die von anderen weitergeführt werden.

Diese Coronazeit wirkt für viele von uns vielleicht wie so eine große unerfüllbare Aufgabe. Aber an Elia können wir sehen: Wir können unseren Teil tun. Wir können immer wieder bei unserem Gott ausruhen und Kraft schöpfen. Diese Zeiten sind bitter nötig! Und dann erleben wir, wie erneut Kräfte in uns wachsen, die für eine lange Wanderung wie die 40 Tage und Nächte des Elia reichen. Möge es uns immer wieder gelingen, trotz aller Herausforderung innezuhalten, unseren Gott zu suchen, sein Wort zu lesen, Hilfestellung und Zuspruch zu erfahren und so neu zu Kräften zu kommen für die nächste Wegstrecke!

Ich wünsche eine gesegnete Sommerzeit!

Eure/Ihre
Bärbel Krohn-Blaschke

 

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