Angedacht - Februar/März 2021

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in jedem Monat gibt es einen Monatsspruch. Dieser wird jeweils aus der aktuellen durchgehenden Bibellese von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgewählt, wie auch die Jahreslosung. Und so kommt es, dass in den ersten Monaten des Jahres 2021 viele Worte aus dem Lukasevangelium Wegbegleiter sind. Für den Monat März wurde ausgesucht: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. (Lukas 19, 40) In den Versen davor wird berichtet, wie Jesus in Jerusalem einzieht, auf dem Weg nach Golgatha. Die Menschen jubeln ihm zu, sind begeistert, legen ihre Mäntel auf den Boden als Zeichen dafür, dass ein König in die Stadt einzieht. Man stelle sich die Begeisterung vor: Lautes Singen und Jubeln, Klatschen womöglich, überall ist Aufruhr, Menschen strömen hinzu, weil sie sehen wollen, was da los ist. Überall ist Bewegung, weil es die Menschen nicht in ihren Häusern hält, sondern sie bei diesem besonderen Ereignis dabei sein wollen. Vielleicht wissen sie zunächst nicht, um wen es geht. Aber sie werden erfasst von dem allgemeinen Jubel und stimmen mit ein, freuen sich über die Freude, die sich ausbreitet.

Als Jesus bei den Menschen lebte, war seine Wirkung auf seine Umgebung so. Er hatte die Ausstrahlung, dass Menschen wussten, „hier ist jemand Besonderes“!

Aber es gab auch die, denen das so überhaupt nicht gefiel. Es gab die, denen so ein Aufruhr ein Dorn im Auge war. So ein Getöse konnte doch nichts Gutes sein! Und so drängten sie sich in die Nähe von Jesus, um ihn anzusprechen. Sie wollten dem Ganzen ein Ende machen. So sollte es nicht weitergehen! Jesus selbst sollte dem ein Ende machen! „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ fordern sie. Sie glauben, Jesus hätte das Ganze selbst inszeniert. Sie glauben, Jesus wäre ein Mensch, der versucht, die Menschenmassen zu benutzen, damit er selbst gut dasteht.

image004Aber so ist es nicht. Menschen, die Jesus kennengelernt hatten, die eine Ahnung davon hatten, wer er wirklich ist, die seine Vollmacht erlebt hatten, die Geschichten von ihm gehört hatten, sie alle spürten, dass in seiner Nähe die Freude in ihnen wuchs, so dass sie gar nicht anders konnten, als in den Lobpreis einzustimmen.

Die Begegnung mit Jesus hatte ihr Leben bereits verändert. Und dadurch konnten sie nun in diesen ungewöhnlichen, weil in aller Öffentlichkeit stattfindenden, Jubel einstimmen. Von Jesus und seinem Leben erfasst, waren sie bereit, in aller Öffentlichkeit, ihre Zustimmung zu zeigen und ihm zuzujubeln. Sie konnten einfach nicht anders.

Jesus weiß das. Und so ist seine Antwort an die Pharisäer: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. Es ist in diesem Moment unausweichlich, in den Lobpreis einzustimmen. Und so bedeutet Jesu Antwort: Ihr könnt es ja versuchen, diesen Menschen den Mund zu verbieten! Ihr könnt es ja versuchen, diesen Menschen zu sagen, dass ihr Aufruhr völlig unangemessen ist! Ihr könnt es ja versuchen, diesen Jubel zu unterbinden! Aber glaubt doch nicht, dass Ihr damit Erfolg haben werdet! Nichts kann diesen Jubel zum Schweigen bringen! Selbst wenn die Menschen verstummen würden, der Jubel würde auf die Umgebung übergreifen und sogar Steine würden anfangen, laut zu rufen – zu schreien.

Man könnte meinen, man sei in einem Walt Disney Film, in dem dann auch Teekannen sprechen können und Bäume klatschen. Aber auch genau dieses Bild mit den klatschenden Bäumen wird in der Bibel dafür benutzt, dass unbegreiflicher Jubel ausbricht und nicht zu stoppen ist.

Vor 9 Monaten ist mir dieser Bibelvers besonders in den Blick gekommen. Damals hat die Bremerhavener EmK eigene Mundschutze bedrucken lassen, mit genau diesem Bibelvers Lukas 19, 40. Sie wollten ausdrücken, dass so ein Mundschutz zwar das Sprechen behindern kann, aber dass der Lobpreis, der damals vor Jerusalem erklang, nicht zu stoppen ist.

Es mag zwar sein, dass wir in unserem Leben uns durch das Tragen des Mundschutzes stark eingeschränkt fühlen – das tue ich auch. Aber dieses Wort, das nun auch Monatsspruch ist für den Monat März, ermutigt mich, dran zu bleiben an diesem Jesus, der so viele Zusagen macht, die mein Leben heller machen, der mir begegnet mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Das Lob, das in mir aufsteigt, wird nicht zu stoppen sein, so großartig ist dieser Jesus!

In dem Sinne bin ich dankbar, dass nicht erst die Steine anfangen müssen zu schreien, sondern, dass es mir nach wie vor möglich ist, Gott fröhlich zu loben und ihm Dank zu sagen für all das, was er tut. Es wird vielleicht nicht gleich zum Aufruhr werden. Aber dennoch hoffe ich, dass unser Lob, das wir gemeinsam vor Gott bringen – auch und gerade in den gestreamten Gottesdiensten! - eine Auswirkung haben wird und Menschen aufmerksam werden für die Liebe und Barmherzigkeit, die Gott in Jesus Christus den Menschen zeigt.

Herzliche Grüße und seid gesegnet und behütet!

Ihre/ Eure

Bärbel Krohn-Blaschke